Verfasst am: 06.03.10, 07:52 Titel: Wer sollte/müsste Rezepte ausstellen? Hausarzt o. Facharzt?
Hallo zusammen,
aufgrund meiner chron. Spannungskopfschmerzen brauche ich regelmäßig Medikamente. Bisher stellte diese mein Hausarzt aus. Jetzt war ich, bezügl. dieser Schmerzproblematik, vor kurzem bei einem Neurologen in einer Facharztpraxis.
Der Neurologe meinte im ersten Moment, nachdem ich ihn auf ein Rezept mit den benötigten Medikamenten ansprach, dass dieses derjenige ausstellen sollte, der es bisher ausstellte.
Er hat es mir dann aber doch ohne Probleme ausgestellt, als ich ihn darum gebeten habe, da er ja der behandelnte Facharzt ist und mein Hausarzt mir bereits regelmäßig Betablocker und Säureblocker verschreibt.
Mich interessiert jetzt einfach, wie das üblicherweise mit Rezepten gehandhabt wird?
lg, Daniel11 _________________ Menschen für Menschen!
hierzu gibt es keine "gängige Praxis". Beides ist möglich: der Hausarzt verordnet das von ihm angesetzte Medikament weiter oder der Facharzt übernimmt die Medikation. Das allerdings nur, wenn das Medikament aus seinem Fachbereich kommt.
Das ganze Problem liegt in der Budgetierung eines Arztes: verordnet er mehr als der Durchschnitt seiner Fachgruppe, kann es passieren, dass er in ein Prüfverfahren rutscht. Er sitzt dann einer Kommission gegenüber, die ihm vorwirft, unwirtschaftlich verordnet zu haben. Nur durch den Einzelnachweis, "besonders" kranke Patienten zu haben, entgeht er dann einer Strafzahlung.
Man kann sich also vorstellen, dass Ärzte nicht gerne eine ganze "Latte" von Medikamenten verordnen, die ein neuer Patient benötigt.
Natürlich kann man sagen, dass der Arzt sich ja entlasten kann. Aber dazu muss er stundenlang Recherche betreiben und Patientenakten wühlen. Nicht gerade angenehm und ein Missstand, mit dem der Teufel (zu hohe Verordnungskosten) mit dem Beelzebub ausgetrieben wird, anstatt die Medikamentenkosten dort zu senken, wo sie erzeugt werden: bei den überhöhten Preisen in Deutschland. Aber weil die Ärztelobby wesentlich schwächer ist als die Pharmalobby... _________________ Ein Augenarzt behandelt einen Patienten das ganze Quartal über für 18 Euro, das ist sein Budget. Und kommen zu viele Patienten, zahlt er noch drauf. DAS ist heutige Gesundheitspolitik.
danke für deinen ausführlichen Beitrag. Das mit dem Budget ist wirklich ein Problem.
Angenommen, ein Hausarzt bzw. Allgemeinarzt schickt einen Patienten zum Facharzt. Dieser schickt aber den Patienten zwecks Rezept wieder zum Hausarzt, dann ist das ja der reinste Spiessrutenlauf.
Wenn ich dann natürlich in der Apotheke erfahre, dass z.B. der Wirkstoff Flupirtin in einer Packung mit 50 Kapseln ganze 60 Euro kostet, ist das schon relativ viel und da kann ich natürlich einen Arzt verstehen.
Wobei ich in meinem Fall eher sagen würde, dass der Facharzt (Neurologe) die Schmerzmittel primär verschreiben müsste und sekundär der Hausarzt. Als Patient würde ich das eben gerne "aufteilen", da mein Hausarzt mir bereits Betablocker und Säureblocker verordnet.
Gruß, Daniel11 _________________ Menschen für Menschen!
Angenommen, ein Hausarzt bzw. Allgemeinarzt schickt einen Patienten zum Facharzt. Dieser schickt aber den Patienten zwecks Rezept wieder zum Hausarzt, dann ist das ja der reinste Spiessrutenlauf.
Das ist für den Patienten unangenehm und nicht seine Aufgabe. Der Patient sollte vorschlagen, dass die beiden Ärzte sich absprechen.
Daniel11 hat folgendes geschrieben::
Als Patient würde ich das eben gerne "aufteilen", da mein Hausarzt mir bereits Betablocker und Säureblocker verordnet.
Auch das ist nicht Aufgabe des Patienten. Er hat ein Anrecht auf alles, was WANZ ist (wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäißg). Das sollten die Ärzte unter sich ausmachen. _________________ Ein Augenarzt behandelt einen Patienten das ganze Quartal über für 18 Euro, das ist sein Budget. Und kommen zu viele Patienten, zahlt er noch drauf. DAS ist heutige Gesundheitspolitik.
Deutschland hat die weltweit höchsten Arztbesuchszahlen. Sagen ein paar Politiker.
Was die paar Politiker nicht sagen, ist, dass mehr als ein Drittel Arztbesuche für nichts als zum Bedienen der Bürokratur da ist, deren Sessel diese Politiker warm halten wollen.
Tjaja, es gab mal eine Bürokraturbeauftragte im Bunzmisterium für Xundheit...
PR _________________ Von Fremdinteressen freie an Patienteninteresse orientierte eigene Meinung.
Verfasst am: 08.03.10, 19:14 Titel: Re: im Prinzip
In meinem Fall hat er es nach freundlicher aber ausdrücklicher Nachfrage auch getan.
Nur, wenn beide Ärzte relativ unkooperativ sind, kann es schon schwierig sein, aber ich denke immer, so wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es auch raus. Von daher kann und sollte man über alles reden, dann findet sich auch eine Lösung. _________________ Menschen für Menschen!
beide Ärzte dürfen
keiner von beiden muss
und meiner Meinung nach sollte der die Rezepte ausstellen der auch für die Behandlung und z.B. für Kontrollen verantwortlich ist.
Ganz so ist es nicht. Der behandelnde Arzt muss die Versorgung des Patienten sicherstellen. Wenn er erfährt, dass der Patient ein Medikament nicht bekommt, muss er zumindest sicherstellen, dass der Patient zu einem Arzt geht, der die Behandlung in Beziehung auf die Notwendigkeit dieses Medikaments übernimmt. Es geht nicht, dass beide Ärzte schlicht nein sagen. _________________ Ein Augenarzt behandelt einen Patienten das ganze Quartal über für 18 Euro, das ist sein Budget. Und kommen zu viele Patienten, zahlt er noch drauf. DAS ist heutige Gesundheitspolitik.
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